Kakteen G saglionis Johann Loy

 

 

Gymnocalycium saglionis

 

Meinen Gymnocalycium saglionis erstand ich vor ca. 30 Jahren auf einem Flohmarkt in der Nähe von Prag. Sein Durchmesser betrug damals ganze 3cm. Heute mißt er 26cm im Durchmesser und 18cm in der Höhe. Walter Haage beschreibt ihn in seinem Buch "Kakteen von A bis Z", (Neumann Verlag, Leipzig Radebeul, 3. Auflage 1986) unter anderem wie folgt:

G. saglionis (Cels 1847) Br.& R.

benannt nach J. Saglion; bedeutender Sammler in Frankreich um 1840; 
breitkugelig, groß, bis 30cm Ø, blaugrün; Rippen 13-32, niedrig, breitwulstig gehökert, bis 4cm lang, scharf quergefurcht; 
Dornen leicht zum Körper gebogen, rötlichbraun bis schwarz, feucht leuchtend rot; 8-10 Randdornen, später 15 oder mehr, bis 4cm lang, 1 oder mehr Mitteldornen. 
Blüten 3,5cm lang, weiß oder rötlich, oft viele gleichzeitig; Früchte kugelig rötlich, seitlich aufplatzend; Samen winzig, Testa (Samenschale) glänzend schwarzbraun.
Nordargentinien (Salta, Tucuman, Catamarca, San Juan, La Rioja);
Im Sommer warm und nicht zu trocken, im Winter trocken bei etwa 10°C;
Namensänderung in «saglione», wie häufig zu hören, ist grammatikalisch falsch (Kainz).

Nachdem sich mein Exemplar zu einer stattlichen Kugel entwickelt hatte, wollte ich davon auch Nachkommen züchten. Leider blieben meine Bestäubungsversuche über viele Jahre ohne Erfolg. Dies lag einfach daran, daß G. saglionis nicht selbstfertil ist (= mit eigenem Pollen Samen bildend). Deshalb entschloß ich mich 2004 einen "Pollenspender" zu suchen. Es gelang mir über die Internetseite der "Gesellschaft Österreichischer Kakteenfreunde GÖK"

http://cactus.at/index-g.html

unter "Suche - Biete" drei Herren zu finden, die mir ihre Hilfe anboten. Leider bestand die Schwierigkeit darin, zur selben Zeit einen blühenden G. saglionis zu finden. Zwei in Frage kommende "Spenderkakteen" blühten bereits im Frühjahr da im Glashaus gezogen, während ich damals noch kein Glashaus besaß und daher mein Kaktus erst Ende Juni zu blühen begann. 
Zum Glück blühte der dritte Spender zur gleichen Zeit Ende Juni 2004. Mit den am selben Tag gewonnen Staubgefäßen konnte ich meinen G. saglionis befruchten. 

Nachfolgend die "Geschichte der Befruchtung" bis heute im November 2006.

Am 29 Juni 2004 konnte das Experiment beginnen:

5 Blüten hatten sich geöffnet, links unten eine 1 Euromünze zum Größenvergleich.

 

 

Die obere Blüte mit geöffnetem Stempel, daneben weitere 7 Blütenknospen.

 

Die 5 bereits bestäubten, mit kleinen Zettelchen markierten Blüten (1-5) hatten sich am 4. Juli 2004 bereits wieder geschlossen.  

 

Von den bereits früher blühenden Kakteen wurden die Pollen eingefroren und die nachfolgenden Blüten bestäubt. Es ist deutlich zu sehen, daß diese Knospen
 zum Teil bereits stark geschrumpft sind, Die Knospen 1-5, mit frischen Pollen bestäubt, aber einen relativ guten Eindruck machen. Aufnahme vom 17. Juli 2004.

 

Letztlich entwickelten sich nur die Blüten 1-5, welche mit dem frischen Pollen bestäubt wurden. Die roten Früchte sehen sehr attraktiv aus. 
Die anderen Blüten trockneten vollkommen ein und lösten sich von der Pflanze (rechts unten). Aufnahme vom 19.August 2004.

 

Bereits einen Tag später am 20. August 2004 entstand diese Aufnahme: Die rechte Frucht springt seitlich auf.

 

Am 22 August sind bereits drei Früchte aufgesprungen und präsentieren ihre Samenkörner.

 

Hier die erste offene Frucht in Großaufnahme. (22. August 2004).

 

Am 5. September hatte sich eine Heuschrecke auf einer Frucht niedergelassen.Ob sie vom Fruchtfleisch genascht hatte?
Jedenfalls ist vom Fruchtfleisch nicht mehr viel zu sehen, es quellen die Samenkörner nur so hervor.

 

Am 26. September war es dann mit den Früchten zu Ende, alle waren ledrig eingetrocknet. Vorher hatte ich schon eine Frucht (ganz rechts)
entfernt und die Samen ausgewaschen und getrocknet. Das Fruchtfleisch ist übrigens eine gallertartige, sehr stark klebende Masse. 
Es war nicht einfach die Samenkörner rein zu bekommen. Rechts, an der entfernten Frucht, sind noch die an den Dornen klebenden Samen gut zu erkennen.

 

Die Samen in 90 facher Vergrößerung. Die Samenkörner säte ich dann im April 2005 aus.

 

Innerhalb weniger Tage begannen sie auch zu keimen.

 

Im Juli 2005 waren dann ca. 90% der Samen aufgegangen und einige Sämlinge hatten bereits ihre ersten Dornen bekommen.

 

Ein Jahr später, im Oktiober 2006, sind die Sämlinge noch immer sehr klein mit maximal 1 cm Durchmesser. Sie wurden in drei verschiedenen Substraten gezogen: 
Links in einem roten Sand aus Ägypten! den mir ein Arbeitskollege aus seinem Urlaub mitgebracht hatte, in der Mitte ein Gemisch aus feinen
Torffasern und Quarzsand, rechts reiner Quarzsand. Inwieweit hier die Körnung eine Rolle im Wachstum spielte, kann ich nicht sagen, 
der reine Quarzsand rechts, war jedenfalls grobkörniger als die übrigen Substrate. 

 

Vereinzelt in einer Plastikschale, so sollen sie den Winter 2006 überstehen.

 

Die Sämlinge haben den Winter 2006/07 gut im Keller überstanden, diesen Sommer sich weiter gut entwickelt und die Größe eines Eurostückes erreicht. 

Nächstes Jahr muß wieder weiter vereinzelt werden. Aufnahme vom 2.9.2007

Wird fortgesetzt.

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Letzte Aktualisierung: 02.09.2007